Allergien, durch mein Zuhause?

Könnten Allergien bedingt sein, durch die Umwelt, in der wir leben?

I) Allergien und Luftverschmutzung

Die Umwelt wirkt direkt auf unseren Körper. Zum Einen haben bestimmte Substanzen (z.B. Dieselpartikel) direkten Einfluss auf unser Immunsystem. So weiß man heute, dass sie unseren Körper empfänglicher für Allergien machen können. Zum Anderen ist die Umwelt aber auch in der Lage die Allergenität bestimmter Stoffe zu erhöhen. So konnte gezeigt werden, dass beispielsweise Ozon, wie es an heißen Sommertagen vermehrt vorkommt, die Allergenität von Pollen erhöhen kann. Damit wirkt sich schadstoffbelastete Luft doppelt auf unser Immunsystem aus und beide Wirkungsweisen begünstigen die Neigung zu Allergien.

So wurden bereits Untersuchungen an Probanden durchgeführt, die untersuchten wie viel stärker diese auf Pollen aus Gegenden mit starker Luftverschmutzung reagierten im Gegensatz zu Pollen aus Gegenden mit geringerer Luftverschmutzung.

Der Mensch ist heute nicht mehr einfach nur Substanzen aus der Natur ausgesetzt, die so natürlich sind wie das Leben selbst, sondern er ist Substanzen ausgesetzt, die durch Umweltverschmutzung verändert sind. Nahrungsmittel und Pollen sind anschauliche Beispiele dafür. Sie ermöglichen überhaupt erst, jeweils in ihrem Bereich, das Leben, aber sie sind gleichzeitig ein Spiegelbild und Träger der Schadstoffe, die die Industrie in die Umwelt gibt.

Inwieweit Allergien mit der Luftverschmutzung zusammenhängen, zeigt sich auch daran, dass durch den sogenannten Klimawandel der Pollenflug stärker ist und länger andauert und darin, dass Allergiker, die ihren Wohnort zu Gunsten einer schadstoffärmeren Umwelt wechseln, häufig eine Verbesserung ihrer Symptomatik beobachten.

II) Allergien und Pestizide

Neben der Luftverschmutzung scheinen auch Pestizide einen ungünstigen Effekt auf unser Immunsystem zu haben. Unsere moderne Welt hat uns auch zu größeren Konsumenten von Pestiziden gemacht. Diese sollen im kausalen Zusammenhang zu dem Auftreten von Allergien stehen.

Pestizide gelangen über die Luft, das Wasser oder die Nahrung in unseren Körper. Sie werden u.a. aufgrund ihrer antibakteriellen Wirkung eingesetzt. Ein hier weitverbreitetes Pestizid ist das Dichlorphenol. Diese töten die Schädlinge der Nutzpflanze, aber auch die nützlichen Bakterien in unserem Körper. Bereits geringste Mengen dieser Dichlorphenole sind, wie Stuhluntersuchungen gezeigt haben, in der Lage unsere Darmflora zu schädigen. So hatten Menschen, die erhöhte Werte dieses Pestizids im Urin aufwiesen eine erhöhte Wahrscheinlichkeit eine Nahrungsmittelallergie zu bekommen (um 80 % höher). Dass eine gestörte Darmflora das Auftreten von Allergien begünstigt, wird schon länger in der Forschung vermutet. Daher wäre es nur folgerichtig anzunehmen, dass Substanzen, die die Darmflora schädigen, darunter also auch Pestizide, Allergien fördern.

III) Allergien und antibakterielle Substanzen

Nicht nur Pestizide weisen antibakterielle Eigenschaften auf. Der moderne Mensch ist heute stärker denn je Substanzen ausgesetzt, die eine zerstörerische Wirkung auf die Lebewesen in uns und auf uns besitzen. Wir leben in einer Welt, die es gelernt hat die Reinlichkeit zu lieben. Es erfüllt uns mit Genugtuung Lebewesen in unserem zu Hause, unserer Spüle oder unserer Mundhöhle den Gar aus zu machen, obwohl wir sie noch nicht mal jemals gesehen haben.

Zu diesen Substanzen, gehören Antibiotika, die wir einsetzen, wenn uns ein Infekt ereilt hat. Dazu gehören Zahnpasten und Seifen, denen der Stoff Tricklosan beigefügt wurde, um uns von Bakterien zu befreien. Und dazu zählen zahlreiche andere Substanzen, die heute in unserem Lebensumfeld Verwendung finden.

Es wird nun angenommen, dass dieses Substanzen Allergien auslösen, da sie entscheidend in unsere Mikroflora eingreifen. Zum Einen kommen wir gar nicht mehr in den Genuss unser Immunsystem in dem Maße durch Bakterien zu trainieren, wie dies noch vor einigen Jahrzehnten den Fall war, da die Bakterien in unserem Umfeld häufig schon vernichtet sind, bevor wir sie über die Nahrung, Essgeschirr, Wasser oder Luft aufnehmen konnten. Zum Anderen zerstören dieses Substanzen unsere Bakterienwelt bei äußerlicher Anwendung (z.B. Seifen) oder innerlicher Anwendung (z.B. Zahnpasten und Mundwässer) direkt unsere „freundlichen Mitbewohner“. Diese Mitbewohner hätten wir gebraucht, um ein intaktes Immunsystem aufrecht zu erhalten, eine einwandfreie Verdauung zu gewährleisten und Fremdbesiedlung zu verhindern.

Da unser Darm nur die Bakterien beherbergen kann, die zuvor auf unserer Haut, in unserer Nahrung oder in der Mundhöhle ansässig waren, verkümmert unsere Darmflora. Damit ist unsere Darmfunktion gestört und Allergien sollen sich somit den Weg bahnen können. So ist für Tricklosan bereits bewiesen worden, dass es Lebensmittelallergien hervorruft.

IV) Allergien und Chemikalien

Unsere Umwelt hat sich durch den Einsatz von Chemikalien verändert. Wir sind ihnen durch die Nahrung, unseren Möbeln oder durch die Industrieanlage in der Nachbarschaft ausgesetzt. Wir atmen sie über die Luft ein, essen sie oder nehmen sie über die Haut auf. Diese Stoffe wurden zum Großteil nie auf ihre Unbedenklichkeit getestet, finden jedoch weitläufigen Einsatz in der Industrie, aufgrund der einen oder anderen positiven Eigenschaft auf ihre Industrieprodukte. Wir hingegen wurden auch nie gefragt, ob wir mit diesen Stoffen zu tun haben möchten, sondern wir sind ihnen zwangsläufig ausgesetzt.

Ein Beispiel für die große Palette an Chemikalien, mit den wir täglich zu tun haben, sind die häufig eingesetzten Phthalate und Phenole, also Substanzen, die Plastik weich oder hart machen. Phthalate sind überall dort zu finden, wo Weichplastik zum Einsatz kommt, z.B. beim Spielzeug für die Kinder oder dem Baumaterial fürs Eigenheim. Phenole (z.B. Bisphenol A) findet beim Hartplastik seinen Einsatz, damit also beispielsweise in Verpackungen, in denen wir unser Essen aufbewahren, aber auch in Kosmetika, da sie diese schäumender oder cremiger machen und in Reinigungsprodukten. Die Industrie verwendet jährlich hunderttausende Tonnen dieser Substanzen.

Über die Nahrung nehmen wir große Mengen dieser Chemikalien (z.B. Dichlorphenole) zu uns, da wir unsere Nahrung in den Verpackungen transportierten und aufbewahrten, die mit Hilfe dieser Chemikalien hergestellt wurden. Bereits die Kunststoffrohre, die von der Industrie zur Lebensmittelherstellung verwendet werden, sind hervorragende Quellen für diese Chemikalien in unserer Nahrung.

Wie kann man sich schützen?

Ein gesunder Darm wehrt schädliche Stoffe, die wir zwangsläufig mit der Nahrung aufnehmen, ab. Ist der Darm jedoch durch Stress, schlechte Ernährung, entzündliche Prozesse oder Infektionen vorbelastet, so kommt er seiner selektierenden Funktion nicht mehr nach und lässt Stoffe in die Blutbahn, die eigentlich an den Darmzellen hätten abprallen müssen (auch „Leaky Gut“, also durchlässiger Darm genannt). Diese Stoffe, die sich nun im Körper befinden, können allergische Reaktionen hervorrufen.

Ohne Allergene auch keine Allergie. Natürlich können wir uns keine allergenfreie Welt schaffen, wir können jedoch die Menge der Allergene, mit denen wir täglich konfrontiert werden, reduzieren. Dies schafft eine Entlastung für das Immunsystem und unsere Beschwerden können dadurch minimiert werden. Im Haus bedeutet das beispielsweise eine gute Zirkulation und den Kampf gegen die Hausstaubmilbe. Eine gute Zirkulation versorgt uns mit ständig neuer reiner Atemluft. Abgestandene Luft hingegen ist reich an den Chemikalien, die durch Ausgasung unserer Möbel in die Raumluft gelangt sind. Wie oben beschrieben, fördert dies das Auftreten von Allergien. Die Hausstaubmilbe sollte bekämpft werden, da sie aus der Luft alle chemischen und toxischen Substanzen aufnehmen, die aus der Einrichtung ausgasen und ebenfalls für uns allergen sind. Da viele Allergiker auch allergisch auf die Hausstaubmilbe selbst reagieren, schlagen wir somit zwei Fliegen mit einer Klappe.

  • Pestizidfreie Biolebensmittel

Wie oben beschrieben stehen Pestizide mit Nahrungsmittelallergien im Zusammenhang und beeinflussen ungünstig das Immunsystem. Daher sollte auf biologische Lebensmittel zurückgegriffen werden, die keine bis nur sehr geringe Mengen Pestizide enthalten.

  • Produkte aus der Region

Produkte aus der Region haben eine deutlich geringere Schadstoffbelastung. Lange Anfahrtswege und Anbau in fernen Ländern gehen häufig mit einer stärkeren chemischen Behandlung der Nahrungsmittel einher, da der Transport oder die lascheren gesetzlichen Bestimmungen in dem Anbauland dies nötig macht oder ermöglicht.

  • Gesunde Ernährung

Studien konnten zeigen, dass eine gesunde Ernährung das Risiko an Allergien zu erkranken senkt. Selbst wenn jemand schon von einer Allergie betroffen ist, ist eine entsprechende Ernährung hilfreich, um die Symptome zu lindern und die Häufigkeit der allergischen Reaktionen zu reduzieren.